Mut zur Veränderung - Aufbruch in eine neue Unternehmenskultur

August 19, 2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wissen ist Macht? Oder doch nicht?

Bildrechte: Tim Reckmann_pixelio.de

 

Weltweite Entwicklungen, die wir oftmals nur am Rand mitbekommen, machen nicht vor der Haustür der Europäischen Union bzw. der Bundesrepublik halt. Wenn wir diese Entwicklungen verpassen oder zu spät wahrnehmen, wird dies für uns und unsere Unternehmen existentiell bedrohlich. Doch was müssen wir ändern, damit wir weiter ganz oben mitspielen (dürfen)?

 

Im Hier und Jetzt

Lernen und Wissensmanagement folgte und folgt nach wie vor häufig dem Ansammeln von Wissen und Informationen. Bereits in der Schule wurde Wert darauf gelegt, und dies setzte und setzt sich in Berufsausbildung und Studium überwiegend fort. Die Folge davon ist eine bei großen Teilen der Bevölkerung und in Unternehmen hervorragend ausgebildete Fähigkeit in festen Mustern zu REagieren, vielfach verbunden mit einer Abneigung flexible Lösungen zu entwickeln.

 

Dies kann man gut bei Produktentwicklungen beobachten. Anforderungskataloge werden erstellt (oft nach einer gutgemeinten Kundenbefragung), dann wird das Produkt bis zur Reife entwickelt und auf dem Markt eingeführt. Dies ist ein linearer Prozess, der immer wieder in Vollendung ausgeführt wird. Nur… was ist, wenn der Markt unsere Entwicklung doch nicht, nicht oder nicht mehr in dieser Form benötigt? Dann merken wir dies erst ganz am Ende dieses Entwicklungsprozesses. Wenn wir mit einem Prototypen an den Markt gehen, der komplett fertig ist, dann sind wir zu spät. Dies bedeutet, dass unumgänglich die frühzeitige Einbeziehung der Nutzer*innen in den Entwicklungsprozess erfolgen muss, dass wir keine vorgefertigten Lösungen anwenden dürfen, sondern jederzeit in der Lage sein müssen, von einem eingeschlagenen Weg abzuweichen und einen neuen Weg einzuschlagen.

 

Was geschieht „outside the box“?

Beim Blick über den „Tellerrand“ der Bundesrepublik und auch der Europäischen Union in die aufstrebenden Länder Asiens, Lateinamerikas und auch Afrikas wird eines deutlich: Immer größere Teile der dortigen Bevölkerung haben einen unbedingten Aufstiegshunger und wollen mit aller Kraft ihre soziale Mobilität nutzen und in die Mittelschicht aufsteigen. Dies geht einher mit einem wesentlich höheren Bildungsstreben und einer starken Motivation Neues zu entwickeln und umzusetzen. Wenn man sich allein die Bevölkerungszahlen in China (ca. 1,39 Mrd. in 2017) und Indien (ca. 1,34 Mrd. in 2017) anschaut und in Vergleich mit der Einwohnerzahl der Europäischen Union (512 Mio. in 2017) setzt, wird eines ganz deutlich: Allein die Bevölkerungspower in diesen Ländern ist gewaltig und wird uns hinwegreißen wie ein gewaltiger Tsunami – wenn wir nicht gegensteuern und unsere Kompetenzen erweitern und gezielt einsetzen. Noch hemmt der in China tief verwurzelte Konfuzianismus mit seinem starken Hierarchiedenken und Unterordnung unter Vorgesetzte bzw. das Kastendenken in Indien die Entfaltung des vorhandenen gewaltigen Potentials. Aber für wie lange noch?

 

Gerade durch die Entwicklungen im Bereich der Digitalen Transformation, dem Internet of Things, der Industrie 4.0 und 5.0 wird unsere derzeitige Denkweise und unsere altehrwürdige Industriekultur eher früher als später obsolet. Jahrzehntelang erfolgreiche Geschäftsmodelle werden von jetzt auf gleich wegfallen und durch neuartige Plattformen ersetzt werden. Die deutsche Automobilindustrie ist so ein Beispiel. Neue Mobilitätskonzepte und der Wegfall der Verbrennungsmotoren werden für diese existentiell. Aktuell wird sie noch durch den automobilen Hunger in den Schwellenländern gestützt, doch mit zunehmender Sättigung bzw. Transformation dieser Märkte entfällt diese Unterstützung.

 

Eine neue Art von Wissensmanagement

Was bedeutet dies alles für unser Lernen und unsere Unternehmenskultur? Wir müssen definitiv weg vom Auswendiglernen von Wissen und Informationen. Diese sind im Gegensatz zu früheren Zeiten jederzeit über unsere Mobile Devices abrufbar (vorausgesetzt, wir haben den in Deutschland nicht wirklich überall zuverlässig verfügbaren Internetzugang). Aber welche Kompetenzen benötigen wir, um mit der Entwicklung Schritt halten zu können und wieder zu Vorreitern zu werden? Um weg vom RE-agieren zum A-gieren zu kommen?

 

Wissen und Informationen bilden dabei „nur“ die unumstößlich notwendige Grundlage. Auf dieser Basis müssen wir lernen Zusammenhänge zu erkennen und einzuordnen, zu abstrahieren und abzuleiten und dann daraus neue Ideen zu entwickeln und Lösungen miteinander zu kombinieren. Und nicht zuletzt müssen wir wieder mehr Motivation und Mut für die Umsetzung verspüren und einen Drang unsere Komfortzone zu verlassen.

 

Ausflug in den Osten Deutschlands

In den Unternehmen bedeutet dies die Notwendigkeit eines Umdenkens. Fokussieren wir unseren Blick auf Ostdeutschland (auch mit dem Risiko, dass der Autor als geborener Dresdner als Nestbeschmutzer eingestuft wird). Hier wird uns viel deutlicher gemacht, wo das Problem liegt.

In den meisten Kleinen und Mittleren Unternehmen im Osten Deutschlands fehlt es an einer Unternehmenskultur, welche das Beschreiten neuer Wege und die Entwicklung neuer Lösungen erlaubt. Woran liegt dies?

  1. Die Schul- und Berufsbildung bzw. das Studium in der ehemaligen DDR war genau auf das im ersten Absatz genannte Ansammeln und Auswendiglernen von Wissen und Informationen ausgelegt.

  2. Hinzu kommt, dass die an den Schaltstellen in den Unternehmen sitzende, überwiegend ältere Generation, bedingt durch die oft existentiell bedrohlich erlebte Transformation Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre, ein Beharren in der aktuellen vermeintlichen Komfortzone aufweist und wenig offen für neue Wege und Veränderung ist.

  3. In der DDR war es üblich, dass die meisten Dinge selbst erledigt wurden und wenig (oder keine) externe Hilfe in Anspruch genommen wurde bzw. vorhanden war.

Die Folgen des Verharrens

Diese Grundvoraussetzungen haben zur Folge, dass man überwiegend im Jetzt verharrt und die schon in der Vergangenheit angewendeten Lösungen nach dem Motto „es hat früher funktioniert, dann tut es dies jetzt auch“ wieder anwendet. Dabei wird nur leider übersehen, dass sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Neue Ideen, Entwicklungen und Lösungen werden kaum verfolgt und kaum eingesetzt. Die Folgen sind vielschichtig.

 

  1. Mitglieder jüngerer Generationen stehen weniger als Fachkräfte für diese Betriebe zur Verfügung, da gerade die Millenials eine intrinsische Motivation für ihre Tätigkeit haben, eine durch Verharren und Stillstand geprägte Unternehmenskultur abschreckend finden und in andere Landesteile abwandern.

  2. Kleine und Mittlere Unternehmen sind immer weniger Triebfeder für wirtschaftliche Entwicklung und Innovationen, da ihnen ihre Unternehmenskultur ausschließlich ein Reagieren erlaubt, und sie somit Neues nicht aktiv vorantreiben.

  3. Die Produktivität in den Unternehmen bleibt hinter dem Bundesdurchschnitt zurück, da für die Unternehmensführung immer nur die altbekannten Lösungen herangezogen werden und nicht aktiv nach neuen Möglichkeiten der Effizienzsteigerung gesucht wird.

Was brauchen wir?

In den Ballungszentren entstehen einige neue Unternehmen, welche nicht in der Vergangenheit verharren und kreativ nach neuen Lösungen suchen. Auch manches alteingesessene Unternehmen ändert auf Grund äußerer Zwänge seine Unternehmenskultur. Nur oft sind im letzten Fall die Änderungen nur ein oberflächliches „Deckmäntelchen“ und keine wirklich tiefgreifenden Wandlungen. Der Wunsch nach positiver Veränderung, nach einem Vorausschauen, einem kreativen Agieren, nach Effizienzsteigerung und Potentialentfaltung muss in der Führungsebene GELEBT werden. Nur so können sich die Mitarbeiter*innen frei entfalten, dass die in jedem Unternehmen nutzbare Schwarmintelligenz zum Tragen kommt. Alles andere bringt wenig bis nichts.

 

Insofern kann man vielen Unternehmern nur raten, endlich aufzuwachen, nicht nur in ihrem Tagesgeschäft zu verharren und zu akzeptieren, dass sie nicht die Einzigen sind, die Ahnung von der Materie haben. Unternehmen heißt Informationen sammeln, auf deren Basis mutig zu entscheiden und zu handeln, voranzugehen und anzupacken – und nicht in der Komfortzone stillstehend zu verharren.

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